Segelabenteuer Mac-Arosa

Erlebnisbericht vom 09.04.2006
von Thomas Gutzmer, Rostock

Als „Webmaster“ der jetzigen v60sail – Homepage, bekam ich durch die Zusammenarbeit mit Jürgen Knuth einige Einblicke in die Organisation und Durchführung dieser einmaligen Segelevents... Viele eindrucksvolle Bilder galt es zu sortieren und zu bearbeiten. Klar, dass man bei so vielen Eindrücken auch neugierig wird, was für ein Gefühl das wohl seien mag, auf der legendären ex-„Illbruck“ einen Tag zu verbringen....

Meine Seetauglichkeit habe ich bis zu jenem Tag lediglich mit Hafenrundfahrten in diversen Hansestädten und gemütlichen Angeltouren auf ruhigen Binnenseen unter Beweis gestellt. „Landratte“ - ja das kann man sagen...

Zum Törn; Ursprünglich habe ich mir vorgenommen, an diesem Tag etliche Bilder für die
v60sail - Homepage zu schießen, und bereits vorhandene Bilder mit eigenen Eindrücken zu betrachten. Dies war auch wichtig, um die weitere Zusammenarbeit zu intensivieren, neue Ideen zu entwickeln und das Vorhandene noch ein wenig zu verfeinern...

So viel zur Theorie, die Praxis sah ganz anders aus... Gegen 10.00 Uhr, bei herrlichem Sonnenschein und mäßigem Wind, unterzogen wir uns einem kurzen Briefing, bekamen Segelkleidung und Instruktionen. Der Weg über die Warnow in Richtung Ostsee war (noch) relativ gemütlich. Nach einem kurzen Zwischenstop (die Lunchpakete wurden noch an Bord geholt) hieß es dann, Anpacken! Segel setzen mit 4 Mann - kurbeln kurbeln kurbeln... Bis sich das „gigantische“ Segel im Wind befand. So verließen wir die Warnow und befanden uns auf der Ostsee.

Ja, was dann passierte, glaubt man eh nur, wenn man es selbst erlebt hat. Oder noch besser, wenn man so wie ich, eine echte Landratte ist...

Schlagartig verdunkelte sich der Himmel, es wurde merklich windiger (ich würde sagen, es wurde stürmisch) und es begann leicht zu nieseln. Die Crew meinte, es sei ein super Wetter, zum segeln. Was ich mir bis dato auch noch nicht vorstellen konnte, war die bevorzugte Lage der Yacht im Wind. 45° und mehr... Na ja so kam es mir zumindest vor. Wer im Briefing aber bemerkt hat, wie das Podest des Steuermanns während der Fahrt aufgestellt wird, der weiß, wie die Yacht „liegt“.
Man kann es sich so vorstellen; während die eine Seite der Yacht bereits bis zur Bordreling im Wasser verschwunden ist, sitzt man auf der anderen Seite 2,5m über der Wasseroberfläche. Wirklich beeindruckend!

Um ehrlich zu sein, war es schwer für mich, meinen „Respekt“ vor dieser ungewohnten Situation zu verbergen. Also lenkte ich mich mit Gesprächen und kurbeln ein wenig ab. Die Geschwindigkeit der Yacht belief sich bis zu diesem Zeitpunkt auf ca. 10 - 13 Knoten, was ich schon extrem schnell empfand. Beruhigend, wenn man dann erfährt, dass wir noch die 20 Knoten Marke „knacken“ wollten...

So segelten wir einige Zeit auf die offene Ostsee hinaus, aus dem anfänglichen Nieselregen wurde nun richtiger Regen, der Wind ließ auch nicht locker und die Wellen erreichten nun auch Höhen jenseits der 1,50 Meter Marke. Nun folgte das Kommando zur Wende. Und ich als Segellaie war mehr als beeindruckt, welchen „Aufwand“ man betreiben muss, um die Fahrtrichtung um 180° zu ändern. Welche Seile unter Spannung stehen müssen, welche Kurbeln in Bewegung gesetzt werden müssen und und und...

Also wieder die Küste vor Augen, nahm die „mac“ auch wieder eine angenehmere Lage ein. Man brauchte sich nun nicht mehr so sehr an der Reling verankern...
Wie auch auf dieser Internetseite unter der Rubrik „Yacht“ nachzulesen ist, erreichte die Illbruck einst eine Spitzengeschwindigkeit von 39 kn beim Surfen in der Welle.

Als nun die Crew das „Ruder in die Hand nahm“ stand fest, dass jetzt das Tagesziel erreicht werden sollte - 20 kn. Für mich war es das Zeichen, den gelben „Life-Belt“ (das ist die Lebensleine an Bord) an die dafür vorgesehenen Seile zu befestigen....
Das Surfen muss man sich ähnlich wie bei einem „normalen“ Surfbrett vorstellen, nur dass dieses Surfbrett, 19,50 Meter lang ist. Nach einigen Versuchen kam die richtige Welle, um das Tagesziel zu erreichen. 21 Knoten - Geschafft!
Ich möchte an dieser Stelle noch kurz an einen vorherigen Absatz erinnern, in dem ich schrieb, dass mir bereits 10 Knoten sehr schnell vorkamen. Nun 21! JA! Es war sehr, sehr schnell, wenn man die damit verbundene Geräuschkulisse der Yacht beachtet. Pfeifen, zischen und rauschen. Irre! Wirklich unglaublich!
Etwas bedächtiger ging es nun Richtung Hafen. Immer noch von einigen Schauern begleitet erreichten wir diesen dann auch wieder sicher und unbeschadet. Die Fahrt auf der Warnow nutzte man um sich mit einem Schluck heißem Tee oder Kaffee wieder aufzuwärmen und einen kleinen Snack zu sich zu nehmen. Und wie sollte es anders sein, mit Einfahrt in den Hafen, erblickten wir nun auch wieder die Sonne... Danke!

Mein Fazit:
Trotz 4° C Außentemperatur, starkem Wind und Regen war es ein wirklich unvergessliches Erlebnis.
Mein Ziel vor Fahrtantritt: Viele Bilder für die Seite - geworden sind es 3 Stück, und die auch noch verwackelt...

Trotz des immer noch währenden Respekts vor der Yacht und den Gegebenheiten auf der Ostsee, würde ich jeder Zeit einen weiteren Törn auf dieser gigantischen Yacht wagen. Vielleicht mit Sonne und 20° C mehr - aber das wäre nur Beiwerk.

Und wer jetzt glaubt, dieser Bericht wäre ein „Goody“ für die Homepage, und gehört zu meinem „Auftrag“, der hat es nicht selbst erlebt, dieses Kribbeln im Bauch, wenn die Yacht über die Wellen springt.... Vielen Dank für dieses Erlebnis, und ein großes Kompliment an die gesamte Crew!

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