Segelabenteuer Mac-Arosa
Segelabenteuer Mac-Arosa
(Ex-Illbruck) Juli 2005 Segelbericht
von Hans-Otto Schade
für die René-Sailing-Crew
Libera-Yachtclub Prien am Chiemsee Drei René-Segler zu Gast auf der Mac-Arosa, dem Schiff, das unter dem Namen Illbruck 2002 Segelgeschichte schrieb und das Volvo Ocean Race rund um die Welt überragend als erste Yacht unter deutscher Flagge gewann.
Uwe hatte den Kontakt zu den Eigner der Ex-Illbruck zu Beginn dieses Jahres hergestellt und die Anmeldeformalitäten für uns drei organisiert. Seit Anfang des Jahres fieberten wir somit diesem Segelhighlight ehrfürchtig und sehnsüchtig entgegen...
Ab Samstag 2. Juli 2005 wurde es ernst. Anreise in Rostock, dem Heimathafen der Ex-Illbruck. Uwe reist mit seinen zwei weiteren Segelfreunden vom SC Stern aus Stuttgart an und Achim und Hans-Otto aus München. Gegen 18.00 Uhr treffen wir uns in unserem Rostocker Domizil, dem edlen Steigenberger Hotel Sonne und der Weg führt uns direkt zu der Mac-Arosa, wie die Ex-Illbruck nun heißt. Wir treffen den Skipper, Alexander Krause, Dorothe, Andreas, Matthias und weitere Crewmitglieder die gerade die Segel vom Tagestörn trocknen und zusammenlegen. Wir bitten an Bord kommen zu dürfen und werden sehr freundlich von der Crew begrüßt. Dieses Schiff bewegt uns alle drei, ohne daß das Schiff wirklich ablegen muß...... Die Technik, die Detaillösungen, die Abmessungen insgesamt und die Infos der Crew zum Schiff lassen ahnen, auf welches Event wir ab dem nächsten Tag zusteuern. Die Vorfreude wächst geradezu in den Himmel, der übrigens wolkenfrei und in der Nacht zum Sonntag sternenklar war.
Das Abendmahl nahmen wir im Fischrestaurant im Hafen ein, ein weiterer Höhepunkt des Tages auf der kulinarischen Ebene. Nach einem Kurzabsacker in der Steigenberger Sonne Bar wurden die Zimmerkerzen gegen 22.00 Uhr gelöscht.
Sonntag, 3. Juli 2005
Blauer Himmel erwartet uns drei nach dem frühen Erwachen. Um 09.00 Uhr treffen wir uns auf der Mac-Arosa. Heute ist Training angesagt. Außer uns drei René-Segler sind noch Manfred, Gruntram (beide SC Stern aus Stuttgart) sowie Markus (Journalist von der WELT), Robert und Jan als Gäste an Bord der Mac-Arosa. Andy, einer der Schiffseigner prophezeit uns für den Abend und nach diesen Tagen uns in einer Art und Weise auf unser Bett zu freuen, wie es noch keiner von uns bisher gekannt hat..............
Jan aus Berlin quittiert dies mit der Aussage, „ja bitte bitte quält mich und schont mich bitte bitte nicht.......“ (weitere Kommentar nicht nötig...ein echter Preiß aus Berlin halt). Nach der Sicherheitseinweisung heißt es alle Leinen los. Die Spannung steigt. Unter Motor läuft die Mac-Arosa von Rostock bis Warnemünde. Dort kommen weitere Crewmitglieder an Bord und die Segel werden gesetzt. Alexander, der Skipper, hatte mich wegen meiner kleinen Größe auserkoren am Mast mitarbeiten zu dürfen. Was das heißt bedarf bei unseren René-Kameraden keiner weiteren Erläuterungen. Hat die Rene schön mächtig lange Falle und große Segel zu setzen, fordert die Mac-Arosa mit 28 Meter Mastlänge noch einiges mehr an Kraft- und Ausdauerpotential. „Code Zero“, die Supervorsegelwaffe der Mac-Arosa mißt schlappe 186 qm und wird bis oben unter den Verklicker gezogen. Das Gewicht dieses Focksegels hat es wirklich in sich. Das kann Uwe bestätigen, der auch am Mast kräftig mitgemischt hat. Kaum hat die Mac-Arosa die Hafenmole von Warnemünde passiert stellt sich ein unglaubliches Gefühl der Freude für uns drei Rene-Asse ein. Schöner Wind (2-3 Beaufort), blauer Himmel, und das auf der Ex-Illbruck. Nach einer Stunde Segelgenuß geht es los. Klar zur Wende, Klar zur Halse, Klar zur Wende, Klar zur Halse........... Die Großschot und die Vorschoten werden über gigantische Winschen gezogen, ebenso die Backstagen. Übrigens zum Thema Backstagen. Nachdem wir drei Rene-Cracks am Abend zuvor das Schiff und die einzelnen Funktionen kennenlernten, die wir als Gäste zu besetzen hatten, wies Achim darauf hin, daß er jeden Job machen werde, außer......außer die Backstagen fahren. Das ist eine ganz „heiße Kiste“ die beim kleinsten Fehler beträchtliche Schäden (Mastverbiegung oder Mastbruch) zur Folge haben können. Was glaubt ihr wohl, wem die Aufgaben mit den Backstagen zuteil wurde???? .....Ja, Achim war der Glückliche - zumindest auf der Steuerbordseite. Die Backbordstage fuhr Christoph, einer der beiden Schiffseigner. Uwe wurde als Trimmer für die Steuerbordseite auserkoren und HO konnte seine Mukkis an einer der vier Griner-Positions unter Beweis stellen.
Der Sonntag war ein wunderschöner und sehr anstrengender Segeltag, der schöne Wind und der blaue Himmel blieben der Crew den ganzen Tag erhalten (Temperatur war übrigens wie im Mittelmeer bei nahezu 28-30 Grad). Gegen 17.00 Uhr machten wir am Steg 1 im Seglerhafen von Rostock fest.
Gegen 18.00 Uhr ging es dann mit dem Auto wieder nach Warnemünde zur Steuermannsbesprechung. Der Wetterbericht war sehr interesant und lies ahnen, daß die Herausforderungen des Wetters bei der Rund Bornhom 2005 besonders anspruchsvoll werden. Achim, Uwe und ich schlenderten nach der Steuermannsbesprechnung noch an dem wunderschönen Alten Strom, wo ein großer Teil der teilnehmenden Regattaschiffe im Päckchen lagen, von Warnemünde entlang bis an den Steuerbordleuchtturm der Warnemünder Mole und besuchten zwischendurch erneut ein Fischrestaurant, wo wir unseren Gaumen wieder mächtig verwöhnten.
Warenmünde ist ein wunderschönes, maritimes Dorf oder Städtchen, das jedem Segler in bester Erinnerung bleiben wird, der es im Rahmen der Warnemünder Woche erleben darf.
Nach diesem anstengenden Segeltag wurden gegen 23.00 Uhr, ohne Absacker in der Hotelbar, die Zimmerlichter gelöscht.
Montag, 4. Juli 2005
Um 08.00 Uhr Treffen der Crew an Bord. Wir schmeißen allen unnötigen Ballast von Bord und legen gleich ab um unter Motor Richtung Roststock zu fahren. Beim Ablegemanöver geht ein Mann von der Stammcrew über Bord. Außer naß zu werden ist ihm glücklicherweise nichts passiert. Das Wetter ist erneut wunderschön, blauer Himmel, schöner Wind und schon in der Früh mehr als 18 Grad. In Rostock legen wir an und nehmen Proviant an Bord und putzen das Unterwasserschiff. Startzeit für die Mac-Arosa ist 11.15 Uhr. Es wird im Kängeruhverfarhen gestartet. Bis dahin segeln wir nochmals aus dem Hafengebiet raus und testen die Segel und schauen aus welcher Richtung der Wind draußen kommt um den optimalen Start vorzubereiten. Zwanzig Minuten vor dem Start sind wir wieder im Hafenbereich von Warnmünde und stoppen die Zeiten um mit optimalem Speed über die Startlinie, die durch einen Fixpunkt am Ufer und einer Fahrwassertonne liegt) zu schießen. Der Wind ist wirklich gigantisch gut. Ein großes Ereignis wirft seine Schatten voraus und die Spannung steigt bei der ganzen Crew.
Heute sind übrigens in Rostock weitere Crewmitglieder an Bord genommen. Liam, ein ganz ruhiger und bescheidener junger Mann, der sich als emsiger, schneller und hochqualifizierter Segler im Rennen beweist, Nicolai und Matti, beide aussichtsreiche Bewerber für das erste deutsche Americas’s-Cup Team und beide mit besten Detailkenntnissen und Illbruckerfahrungen, Christian, genannt Chriggel der die Navigation und Elektronik an Bord managed und der mit an Bord der UCA war, die 2001 den Rundenrekord (28 Stunden und 37 Minuten) auf dieser 270 Seemeilen-Distanz ersegelte.
Somit legten wir, nun 15-köpfig, einen Glanzstart hin und nahm Kurs auf Bornholm.
Der Wind blies aus Ost und es wurde den ganzen Tag und die ganze Nacht gekreuzt. Wind bis zu Stärke 7 (in Boen bis 8) und Wellen bis 4 Meter waren zu “knacken”. Da wurde Mensch und Material gefordert. Bornholm rundete die Mac-Arosa dann so gegen 04.00 Uhr morgens des folgenden Tages und setze den Spi, denn nun war uns der Windrichtung hold. Nach ca. 4 Stunden zwischen Bornholm und Rügen gab es innerhalb von 15 Minuten einen 180 Grad WindDreher und nun hieß es wieder Kreuzen in der nun sich aufbauenden Kreuzsee. Zudem erreichte uns eine Kaltfront, die den ein oder anderen mächtig frieren lies.
Der Gewichtstrimm auf der Mac-Arosa wird a) von der Besatzung, b) von Wassertanks, die in Luv bis zu 2.500 Liter aufnehmen können und c) von den Segel erledigt, die nicht benötigt werden. Das heißt, vor jeder Wende werden ca. 1,5 Tonnen Segel durch die Besatzung auf die neue Luv-Seite gehievt. Das ist eine besonderer Kraftakt, wenn man die widrigen Wind- und Wellenverhältnisse und ca. 30 bis 40 Gad Bootskrängungen zu überwinden hat. Bei dem Segelhieven schwindete zwar die kriechende Kälte schlagartig, aber die Muskelkraft behielt dauerhaft nur der gut trainierte Segler.
Hinter Rügen flaute der Wind ab und bis Darßer Ort war dann fast gar kein Wind mehr da. Das war die Chance für unser Superwaffe “Code Zero”. 186 qm Focksegel wurden gesetzt. Bei so einem Vorsegel könnte man einen Ausguck im Masttop gut gebrauchen. Das Schiff ist mit diesem Segel von der letzten Winsch in Lee bis zum Vorstag vorne und dem Masttopp eine einzige, unddurchsichtbare, grüne Wand.....Nun ging es wieder langsam mit 3-4 Knoten weiter Richtung Rostock. Dunkle und Tiefdunkle Wolken hingen am westlichen Abendhimmel und wir stellten uns auf zunehmende Winde und sicher auch Regen ein. Wir behielten recht. Gegen 19.00 Uhr, wenige Seemeilen vor Rostock wurde “Code Zero” geborgen und die kleine Fock wieder gesetzt. Kaum war das Manöver beendet meldete sich der so geliebte Wind mit voller Wucht, ziemlich böig und diesmal mit Regen zurück und brachte die Mac-Arosa noch mal richtig in Fahrt. 10-13 Knoten mit einem Kurs zwischen halbem und hoch am Wind. Da lachte das Seglerherz. Ich hatte glücklicherweise gerade die Großschot in der Hand als das Schlußspektakel losbrach und gab sie nicht mehr her. Die Groß- und Fockschot wurde nicht mehr belegt sondern aus der Hand gefahren. Das war wegen der Böen auch notwendig. Mit einem riesen Speed sind wir auf die Hafenmole zugerast um dann im letzten Moment abzufallen und mit ca. 14 Knoten Fahrt mit Raumschots die Ziellinie um 20.19 nach 33 Stunden, 4 Minuten und 44 Sekunden zu überfahren. So einen gigantischen Zieleinlauf habe ich noch nie erlebt. Es war geschafft, die Mac-Arosa hat alle Schiffe, die im Kängeruh-Verfahren Stunden vor ihr gestartet sind überholt und ist ohne Schäden an Mensch und Material nach 33 Stunden und 4 Minuten und 44 Sekunden als FirstShipHome in Warnemünde eingelaufen. Zudem hat die Crew während der Wettfahrt auch dem Umweltgedanken Rechnung getragen, da sie hin und wieder auch die Fischer gefüttert hat. Das übrige Feld kam erst 14 STUNDEN später ins Ziel. Auch wenn die Crew 2005 den Rekord der UCA aus dem Jahr 2001 nicht brechen konnte, ist Ankommen bei diesem Wetter auch schon viel Wert. - Von den 58 gestarteten Yachten haben 44 Yachten das Rennen wegen Sturm und Seegang abgebrochen. Es gab einen Mastbruch an Bord der Konkubine bei den Gebrüder Berendes aus Berlin. Sie schossen rot und mußten mit Hilfe der Küstenwache zurückgerschleppt werden.
Entgegen dem hohen seglerischen Niveau bewegte sich das kulinarische Niveau auf der Mac-Arosa nicht wirklich auf dem Niveau eines Kreuzfahrtschiffes. Aus diesem Grund stürmten wir nach dem Festmachen in Rostock das Clubhaus des Segelclubs Warnmünde und ergötzten uns an heißer Gulaschsuppe und Rostocker Bier. Das war für uns drei Renesegler die erste warme Mahlzeit nach unserem letzen Fischmenu, daß mehr als 46 Stunden zurücklag......
Der gesamten Stammcrew der Mac-Arosa als auch den Eignern danken Achim, Uwe und ich auf diesem Wege sehr herzlich für die Chance, an diesem Segelereignis teilnehmen zu dürfen. Wurden wir Gäste in zwei Wachen eingeteilt, gab es eine dritte Wache, die ausschließlich aus der Stammcrew bestand und aufgrund der anspruchsvollen Wetterverhältnis während der ganzen Wettfahrt kaum zur Ruhe kam. Die Zähigkeit und der Wille zum Erfolg wurden von der Stammcrew in vorbildlicher und für mich bewunderswerter Weise gelebt. Ebenso die Geduld und das Verständnis, daß wir als Gäste schon dann an Belastungsgrenzen stoßen, wenn die Stammcrew erst richtig aufdreht.
Alles in Allem war es für uns drei ein Segelerlebnis nicht der besonderen, sondern der ganz besonderen Art. Ich habe schon meine Anmeldung für das nächste Jahr vorbereitet. Achim macht die nächste Teilnahme abhängig ob echte Mitbewerber dabei sind (es liegen nämlich noch zwei weitere VO 60 Racer in Rostock die heuer leider nicht dabei waren), was aber sicher keine echte Hürde sein wird, da unser Organisator Uwe schon angekündigt hat, daß er mit den Clubmitgliedern des SC Stern (Segelclub von Daimler Benz) versucht die 2 anderen VolvoRacer zu chartern, damit beim Langstreckenrennen Rund Bornhom 2006 ganz echte MatchraceAtmosphäre die Ostseeluft zum flimmern bringen wird.
Speed bei 2-3 BF: am Wind bis zu 12 Knoten, raumschots ca. 10-12 Knoten. Hart am Wind 7-9 Knoten.
Also, alles Bereiche die wir gut kennen werdet Ihr unter Umständen sagen, oder „auch dort wird nur mit Wasser gekocht.......“
Den großen Unterschied machen
a) die gigantische Masse von 13 Tonnen + 7 Tonnen Ballast bei diesen Geschwindigkeiten
b) die absolute Seetauglichkeit (die Ostsee ist für die Mac-Arosa eher ein Binnenrevier)
c) es gibt auch für die Mac-Arosa Winde, die in dem Schiff soviel WindEnergie umwandelt um es mit 30 Knoten über die Weltmeere fliegen zu lassen. Dieses Wind- und damit verbundene Wellenpotential würde nach meiner Einschätzung auch die beste Rene-Crew veranlassen den nächsten Schutzhafen zu suchen.
MEIN FAZIT als ReneSegler: Beide Schiffe haben ihre Reviere.
Die Mac-Arosa ist die Libera der Weltmeere.
Euer, für diese Erlebnis dankbare und segelbegeisteter
Hans-Otto
Unterhaching, Sonntag den 10. Juli 2005
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